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Hintergrund

K.-o.-Tropfen: Was Studien zeigen

Wie oft jemand einer anderen Person heimlich etwas ins Glas gibt, lässt sich schwer zählen. Hier findest du fünf Quellen von Behörden und aus der Rechtsmedizin, die zeigen, was bekannt ist und wo die Zahlen enden. Jede Aussage haben wir am 26.10.2026 in der Quelle selbst nachgelesen.

Fünf Quellen, kurz zusammengefasst

Drei Quellen sind auf Englisch oder Französisch, die Zusammenfassungen auf Deutsch sind von uns. Jeder Link öffnet das Original in einem neuen Tab.

  1. Österreich · 2026

    Das österreichische Innenministerium führt keine Statistik zu Fällen mit K.-o.-Tropfen.

    So steht es in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage vom 7. Juli 2026. Erfasst wird nur, was den Behörden bekannt wird. Als missbräuchlich verwendbar nennt das Ministerium unter anderem GHB, GBL, 1,4-Butandiol, Benzodiazepine und Zolpidem.

    Was das heißtWie viele Fälle es in Österreich gibt, weiß niemand genau, und als K.-o.-Mittel kommen viele verschiedene Stoffe in Frage.

    Quelle: Bundesministerium für Inneres, Anfragebeantwortung 5458/AB, 2026 (öffnet in neuem Tab)

  2. Vorarlberg · 2024

    In Vorarlberger Spitälern ist ein Nachweis nur 6 bis 12 Stunden nach der Einnahme möglich.

    Das schreibt die Landesregierung auf eine Anfrage im Landtag; Verdachtsfälle lassen sich deshalb schwer prüfen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst K.-o.-Mittel nicht gesondert, und ob K.-o.-Mittel oder viel Alkohol im Spiel waren, ist laut Antwort meist schwer einzuschätzen.

    Was das heißtWie oft es in Vorarlberg passiert, lässt sich aus keiner Statistik ablesen.

    Quelle: Amt der Vorarlberger Landesregierung, Anfragebeantwortung „K.O.-Tropfen in Vorarlberg“, 2024 (PDF) (öffnet in neuem Tab)

  3. Schweiz · 2022

    GHB ist im Urin etwa 10 bis 12 Stunden nachweisbar. Bei der Hälfte der untersuchten Verdachtsfälle wurde die Probe später genommen.

    Das Rechtsmedizinische Zentrum der Westschweiz (CURML) hat 2021 Proben systematisch auf GHB untersucht, darunter 60 Fälle mit sexuellen Übergriffen, Verdacht auf K.-o.-Mittel oder Filmriss. GHB fand sich einmal, Alkohol in 48 % der Fälle, in denen danach gesucht wurde.

    Was das heißtEin unauffälliger Befund am nächsten Tag schließt nicht aus, dass jemand heimlich etwas ins Glas gegeben hat.

    Quelle: CURML und CHUV Lausanne, Analyse systématique du GHB, Rapport de synthèse 2021, 2022 (PDF, Französisch) (öffnet in neuem Tab)

  4. Frankreich · Erhebung 2024

    Bei Erwachsenen war ein alkoholisches Getränk der häufigste vermutete Weg, auf dem K.-o.-Mittel verabreicht wurden (44,8 %).

    Die französische Arzneimittelbehörde ANSM wertete für 2024 1.377 Meldungen aus, davon stufte sie 140 als wahrscheinliche Fälle heimlicher Gabe ein. Dort waren beruhigende Medikamente am häufigsten (59,6 % der Nennungen). Über alle Meldungen geschahen die Übergriffe am häufigsten im Umfeld von Partys und Feiern (56,5 % der Fälle mit Angabe), und in 96,4 % der Fälle mit Angaben zum Täter gingen sie von Männern aus.

    Was das heißtK.-o.-Mittel sind oft Medikamente und nicht nur GHB. Welche Substanzen ein Test erkennt, bestimmt, was er anzeigen kann.

    Quelle: ANSM und CEIP-A Paris, Soumission chimique, résultats de l’enquête 2024, 2026 (PDF, Französisch) (öffnet in neuem Tab)

  5. England und Wales · 2023

    Die Polizei in England und Wales hat von Mai 2022 bis April 2023 6.732 Anzeigen wegen Spiking aufgenommen, im Schnitt 561 pro Monat.

    Spiking heißt, dass jemand einer Person ohne ihr Wissen etwas ins Getränk gibt oder mit einer Nadel spritzt. Das britische Innenministerium geht davon aus, dass nicht alle Fälle angezeigt werden. In der ausgewerteten Literatur war Alkohol die am häufigsten nachgewiesene Substanz.

    Was das heißtDie Zahlen zeigen nur, was bei der Polizei ankommt.

    Quelle: Home Office (UK), Understanding and tackling spiking, 2023 (Englisch) (öffnet in neuem Tab)

Wo JARII ansetzt

Verantwortlich ist, wer etwas in ein Getränk gibt. JARII gibt dir trotzdem einen Check vor dem ersten Schluck: Bleibt das Fenster leer, wurde nichts erkannt. Erscheinen Striche, ist etwas im Glas, das da nicht hingehört. Bleibt der Halm im Glas, zeigt er auch an, wenn erst später etwas hineinkommt.

Welche Substanzen die Anzeige erkennt, legen Labortests fest. Wir veröffentlichen die Liste vor dem Start. Ein unauffälliges Ergebnis ist keine Garantie.

JARII ist in Entwicklung, der Start ist vor 2027 geplant.

Auf die Liste

Wenn etwas passiert ist

Du bist nicht schuld. Wenn du oder jemand neben dir sich plötzlich viel benommener fühlt, als es zum Getrunkenen passt, helfen diese Schritte:

  • Bleib nicht allein und lass niemanden allein, der stark benommen ist. Sprich das Barpersonal an.
  • Ist jemand nicht mehr ansprechbar, ruf die Rettung und achte auf die Atmung.
  • Sag der Rettung, der Ärztin oder dem Arzt, dass du K.-o.-Mittel vermutest, und frag nach einem Test. Viele Stoffe sind nur wenige Stunden nachweisbar.
  • Heb das Glas auf, wenn es geht.
  • Eine Anzeige kannst du bei jeder Polizeidienststelle machen.

Die Schritte folgen den Hinweisen der Vorarlberger Landesregierung (Anfragebeantwortung 2024, Fragen 4 und 6 (öffnet in neuem Tab)).

Nummern geprüft am 26.10.2026 auf den offiziellen Seiten: oesterreich.gv.at (öffnet in neuem Tab), frauenhelpline.at (öffnet in neuem Tab), bbk.bund.de (öffnet in neuem Tab), polizei.de (öffnet in neuem Tab), hilfetelefon.de (öffnet in neuem Tab), bakom.admin.ch (öffnet in neuem Tab) und opferhilfe-schweiz.ch (öffnet in neuem Tab).

Stand: 26.10.2026. Diese Seite fasst Quellen zusammen und ersetzt keine medizinische oder rechtliche Beratung.